Portrait junger Mann und junge Frau, die sich körperlich nahe sind

Minipenis - Mikropenis: zu kleiner Penis

Mikropenis - Minipenis: tatsächlich oder subjektiv zu kleiner Penis

Die Medizin versteht unter einem Mikropenis einen besonders kleinen bzw. weit unterdurchschnittlich großen Penis. Umgangssprachlich wird diese Unterentwicklung des männlichen Geschlechtsorgans (Hypogenitalismus) als Minipenis bezeichnet - wobei abfällig oft auch Penisse gemeint sind, die nicht der medizinischen Definition eines Mikropenis entsprechen, nur, weil sie nicht überdurchschnittlich groß sind. Ein Mikropenis als medizinischer Befund hat somit in keiner Weise etwas mit dem subjektiven Empfinden vieler Männer zu tun, die ihren Penis zu klein finden - selbst wenn die Dimensionen eines Glieds tatsächlich einige Zentimeter unterhalb des angeblichen oder tatsächlichen Durchschnittswertes liegen sollte.

Ein Mikropenis wird zu den sogenannten Intersex-Syndromen oder den penilen (den Penis betreffenden) Krankheiten gezählt. Etwa 0,6 Prozent aller männlichen Neugeborenen sind davon betroffen - mithin jeder hundertsiebzigste Junge.

Um dem Verdacht der Diskriminierung zu begegnen und um betroffene Männer nicht zu verletzen, wird der vormals gängige aber inhaltlich unscharfe Begriff "Intersexualität" (demzufolge ein Mikropenis den geschlechtlichen Zustand als "nicht Frau und auch nicht Mann" verkörperlicht) mittlerweile vermieden. Denn Männer mit Mikropenis fühlen sich in ihrer sexuellen Identität meist geschlechtlich als echter Mann - und nicht als "Mischwesen" (vulgo: Zwitter) beider Geschlechter oder als "Geschlecht im falschen Körper" (Transgender).


Wann ist ein Penis ein Minipenis / Mikropenis?

Die Definition eines Mikropenis, soweit sie sich in Längenmaßen ausdrückt, ist nicht eindeutig. So wird in manchen Publikationen der Penis eines Erwachsenen, der im erigierten Zustand weniger als sieben Zentimeter misst, als Mikropenis bezeichnet. Für den Penis im schlaffen Zustand werden eine Länge von weniger als 2,5 Zentimetern, an anderer Stelle von weniger als 3,8 Zentimetern als Zeichen für das Vorliegen eines Mikropenis angesehen. Zur definitorisch notwendigen Längenbestimmung wird das männliche Glied in gestrecktem oder alternativ erigiertem Zustand vom Schambein bis zur Penisspitze gemessen. Das Messergebnis ist hierbei annähernd identisch. Denn ein steifer Penis ist so lang wie im gestreckten schlaffen Zustand. Bei der Beurteilung des Penis von erwachsenen Männern wird eine ansonsten normale körperliche und geschlechtliche Entwicklung vorausgesetzt. Bei Kindern wird anhand des statistischen Durchschnitts festgestellt, ob ein Mikropenis diagnostiziert werden muss.


Physiologische Ursachen für einen viel zu kleinen Penis

Eine Reihe von Krankheiten kommen als Ursache eines Mikropenis in Frage, doch in manchen Fällen kann auch die Medizin keine Ursache finden. In diesem Fall wird von einer "idiopathischen" (aus sich selbst heraus entstandenen) Störung gesprochen. Grundsätzlich wird für die Unterentwicklung des Penis Hormonmangel in der Schwangerschaft angesehen. Da den Statistiken nach die Zahl der Geburten mit einem Mikropenis steigt, können Chemikalien in der Umwelt (z. B. in der Nahrung) als auslösende Faktoren in Frage kommen.


Psychische Aspekte eines Minipenis

Ein Mikropenis kann eine große psychische Belastung bedeuten - ab dem Moment, zu dem der betroffene Junge erkennt, dass er an einer "entscheidenden Stelle anders gebaut" ist. Hier sei gesagt, dass viele Männer, die ihren Penis subjektiv als zu klein empfinden, den Beginn ihrer Peniskomplexe in Kindheit und Jugend datieren. Dass Spott gegenüber dem Penis und dessen Größe in Kinder- und Jugendkreisen ein beliebtes Sujet ist, welcher sogar normal entwickelten Männern bis ins hohe Alter nachhallen kann, ist nachvollziehbar. Einem Jungen mit, per Medizin definiert, zu kleinem Penis können derlei Witze über den und damit seinen Penis (z. B. unter der Dusche nach dem Sport) den Boden seiner gesunden Persönlichkeitsentwicklung entziehen.


Auswirkungen eines Minipenis auf Sexualität und Attraktivität

Geschlechtsverkehr mit Penetration der Vagina (Scheide) der Sexual-Partnerin ist mit einem Mikropenis nur in Ansätzen möglich, da eine vertikal ausgeführte Becken-Stoß-Bewegung zum Kontaktverlust beider Organe führt. Zudem ist das taktil erlebbare Gefühl des "erfüllt werdens" auch bei Frauen mit anatomisch vergleichsweise enger Vagina durch das geringe Volumen des Penis deutlich eingeschränkt.

Obgleich die Scheide bereits oberflächlich durch Stimulation der Klitoris befriedigbar ist (z. B. durch orale Befriedigung; Cunnilingus), kann die Bedeutung einer minimal notwendigen Penisgröße für das lustvolle Partnererlebnis kaum wegdiskutiert werden. Hierbei spielen nicht nur mechanische Aspekte eine Rolle sondern auch psychologische. Denn ein kleiner Penis kann beim Sexualpartner unter Umständen als optischer Schlüsselreiz und somit in seiner Funktion als Unterstützer des Wunsches, Sex mit demjenigen zu haben, versagen - oder das ursprüngliche Bedürfnis danach durch Assoziationen mit einem kindlichen Penis oder einer physiologischen Fehlbildung zunichte machen. Umgangssprachlich ist dies ein "abtörnendes", also dem sexuellen Trieb abträgliches, Partnerattribut. Anders ausgedrückt wirkt ein kleiner Penis auf manchen Sexualpartner wie beispielsweise schlechter Atem, Hängebrüste oder Körpergeruch: die "Paarungsbereitschaft" schwindet aufgrund von als unattraktiv empfundenen körperlichen Eigenschaften.

Das klingt hart, aber: sexuelle Attraktivität hat in der Realität wenig mit der hehren Idealvorstellung, dass jeder Mensch um seiner selbst und nicht wegen körperlicher Vorzüge geliebt und begehrt werden sollte, zu tun. Ebendies ist die oft bittere Erfahrung, unter der Männer mit zu kleinem Penis leiden. Denn was sexuell anziehend ist oder nicht entscheidet nicht das Großhirn mit dem Verstand, sondern niedere limbische Hirnregionen, die recht einfach den biologisch brauchbaren männlichen Sexualpartner aussortieren: breite Schultern, markantes Kinn, wenig Fett, (nicht zu kleiner) Penis.


Therapien für einen Mikropenis / Minipenis

Man kann aus heutiger Sicht im Rückblick auf die medizinische Historie drei therapeutische Methoden zur Behandlung eines Mikropenis beschreiben.

Bei Kindern und Jugendlichen führte die Gabe von Hormonen, beispielsweise Testosteron, zu einem annähernd normalen Peniswachstum. Die Kinder hatten keine Identitätsprobleme, entwickelten ein normales Sexualleben und konnten als Erwachsene Kinder zeugen. Die Hormontherapie entwickelte sich somit bei Heranwachsenden zum Stand der ärztlichen Kunst.

Eine inzwischen und zu Recht umstrittene Methode kann im strengen Sinne nicht als Therapie eines Mikropenis akzeptiert werden: Ausgehend von der theoretischen Annahme, dass Kinder mit einem Mikropenis niemals zu einer männlichen Identität finden, geschweige denn, ein normales heterosexuelles Geschlechtsleben führen könnten, wurde diesen der Mikropenis operativ entfernt, eine künstliche Vagina geformt und der (ehemalige) Junge auf ein Leben als (unfruchtbares) Mädchen vorbereitet.

Mit Hilfe der Phalloplastik kann ein voll funktionsfähiger Penis von nahezu normaler Größe operativ geschaffen werden. In diesem Zusammenhang wird exakter von einem "Penoid" gesprochen, einem Penis-ähnlichen, zum Sexualverkehr geeigneten, männlichen Ersatzglied.

Anfang der 90er Jahre wurde die fibulare Phalloplastie entwickelt. Hierbei wird der Penis aus Knochen- und Gewebeteilen des Wadenbeins, der Fibula, aufgebaut. Das Ergebnis entspricht weitestgehend den funktionalen und ästhetischen Anforderungen - der Patient kann urinieren und Sexualverkehr haben. Im letztgenannten Fall ist sowohl die mechanische Möglichkeit gesichert als auch der sensorische Genuss gegeben.

Die fibulare Phalloplastie gilt nicht nur für Männer mit Mikropenis, sondern auch bei krankheits- oder unfallbedingtem Penisverlust oder bei Operationen von Transsexuellen als medizinischer Standard.
Bei einer weiteren Operationsmethode wird dem Patienten Gewebe aus dem Unterarm entnommen. Dieses wird als Röhre um den Mikropenis gelegt, gleichzeitig wird die Penisspitze auf den derart verlängerten Penisschaft verlagert. Nerven- und Blutbahnen werden dabei möglichst nicht unterbrochen. Um normalen Geschlechtsverkehr durchzuführen, erhalten die Patienten zusätzlich eine Penisprothese.


Es kommt nicht nur auf die Penisgröße an

Wir leben in einer Gesellschaft, die außer körperlichen auch soziale Vorzüge bei der Partnerwahl berücksichtigt: Humor z. B. wirkt oft als Aphrodisiakum, insbesondere auf Frauen. Ein kleiner Penis kann daher in manchen Fällen kompensiert und der Sexualpartner dennoch befriedigt werden. Männer mit Mikropenis können ihren Sexualpartner, der diese anatomische Besonderheit akzeptiert, durch sexuelle Phantasie und Experimentierfreudigkeit durchaus auch ohne Penetration befriedigen. Dennoch wird oft von Betroffenen beklagt, dass sie auf Grund ihrer körperlichen "Besonderheit" zu keiner langdauernden Beziehung fähig sind.

Die Statue des nackten David erschaffen von Michelangelo